Cover: Welttag des Buches: was in der Schule passiert
6. September 2026

Welttag des Buches: was in der Schule passiert

Der UNESCO-Welttag des Buches ist am 23. April. In Deutschland hängt daran eine Aktion, die es seit 1997 gibt und die viele Eltern erst mitbekommen, wenn ihr Kind mit einem Buch nach Hause kommt: “Ich schenk dir eine Geschichte”.

Das Prinzip ist einfach. Klassen der vierten und fünften Jahrgangsstufe melden sich über die Schule an und bekommen einen Klassengutschein. Damit gehen sie in eine vorher ausgewählte örtliche Buchhandlung, und dort bekommt jedes Kind sein persönliches Exemplar des eigens für diesen Tag geschriebenen Buches geschenkt. Für 2026 läuft der Einlösezeitraum vom 20. April bis zum 31. Mai. Getragen wird die Aktion unter anderem von der Stiftung Lesen, dem Börsenverein, dem cbj Verlag, Deutsche Post und DHL sowie dem ZDF.

Es kostet die Familie nichts. Das ist der ganze Punkt.

Kinder in Schuluniform in einem hellen Klassenzimmer

Warum die Aktion auf die vierte und fünfte Klasse zielt

Das ist kein Zufall. Es ist genau die Phase, in der zwei Dinge zusammenkommen: Kinder können technisch lesen, und viele hören zur selben Zeit auf, es freiwillig zu tun. Wer in dieser Phase kein Buch findet, das ihn wirklich packt, kommt oft jahrelang nicht zurück.

Der Buchladenbesuch ist dabei fast wichtiger als das Buch. Für einen Teil der Kinder ist das der erste Gang in eine Buchhandlung überhaupt, bei dem sie nicht daneben stehen und warten, sondern selbst etwas bekommen.

Was Eltern davon merken

Meist wenig, und das ist der schwache Punkt der Aktion. Das Buch kommt nach Hause, wird angeschaut, und dann liegt es. Was daraus wird, entscheidet sich nicht in der Buchhandlung, sondern an dem Abend danach.

Drei Dinge, die dabei helfen und kaum Zeit kosten:

  1. Frag nicht, worum es geht. Frag, was passiert ist. Nacherzählen fällt leichter als zusammenfassen, und man merkt sofort, ob es das Kind gepackt hat.
  2. Lies vor, auch wenn dein Kind längst selbst lesen kann. Vorlesen hört in vielen Familien mit sieben oder acht auf, genau dann, wenn Kinder Geschichten verstehen können, die sie selbst noch nicht entziffern.
  3. Lass Kapitel überspringen. Ein Buch zu Ende zu lesen ist keine moralische Pflicht, und ein abgebrochenes Buch ist besser als ein Kind, das Lesen mit Durchhalten verbindet.

Zwei Kinder stehen aufmerksam im Klassenzimmer

Was für ein Buch die Kinder bekommen

Es ist kein Werbeheft, sondern ein eigens geschriebener Titel, der nur für diese Aktion gemacht wird und den es sonst nirgends gibt. In den letzten Jahren war das meist ein Comicroman: viel Bild, überschaubarer Text, ein Format, das auch Kinder schaffen, die sonst nach zwei Seiten aufgeben. Genau das ist die Idee dahinter. Ein dickes Buch ohne Bilder hätte einen Teil der Zielgruppe schon auf dem Heimweg verloren.

Für Eltern heißt das auch: erwarte kein Meisterwerk. Der Wert liegt nicht im Buch selbst, sondern darin, dass das Kind eines besitzt, das ihm gehört und für das niemand bezahlt hat. Bücher aus der Bibliothek muss man zurückbringen, und das ist ein Unterschied, den Kinder deutlich spüren.

Wann man es besser sein lässt

Wenn ein Kind ohnehin ungern liest, kann ein Aktionstag den Druck erhöhen statt ihn zu nehmen. Dann würde ich alles weglassen außer dem Vorlesen, bei dem das Kind selbst nichts leisten muss.

Bei Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten gilt dasselbe: Hörbuch oder Vorlesen zählt genauso. Der Tag dreht sich um Geschichten, nicht um Lesetechnik. Eine Klassenaktion, bei der ein Kind vorlesen soll und sich davor fürchtet, richtet mehr Schaden an als der geschenkte Comicroman gutmacht.

Andere Länder, andere Woche

Falls ihr im Ausland Verwandte habt: der Aktionstag ist nicht überall derselbe. Im Vereinigten Königreich und in Irland ist der World Book Day am ersten Donnerstag im März, in den Niederlanden läuft die Kinderboekenweek Anfang Oktober, und in Australien ist die Children’s Book Week Ende August. Überall verkleiden sich Kinder als Buchfiguren, nur eben zu unterschiedlichen Zeiten.

Eine Gruppe Kinder spielt gemeinsam

Was hängen bleibt

Ein Aktionstag im Jahr verändert wenig. Was etwas verändert, ist die langweilige Antwort: eine Viertelstunde am Tag, über Jahre. Der Welttag ist gut darin, einen Anlass zu liefern, und schlecht darin, Gewohnheiten zu bauen. Beides sollte man ehrlich auseinanderhalten.

Was auffällt, wenn man Kindern beim Lesen zusieht: sie bleiben an dem hängen, worin sie sich wiedererkennen. Warum das so ist, steht in unserem Beitrag darüber, dass ein Kind sich selbst im Buch sieht. Wer daraus etwas machen möchte, kann ein Buch mit dem eigenen Kind als Hauptfigur erstellen, in dem es zum Beispiel selbst in der Buchhandlung steht. Altersbezogene Hinweise stehen auf der Seite über ein Geschenk für ein sechsjähriges Kind.

Die kostenlose Variante bleibt aber die beste: die Stadtbibliothek, und ein Kind, das selbst aussuchen darf. Auch wenn es das Buch aussucht, das du für Quatsch hältst.

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